150 Jahre TV Ebern – Altes Spiel mit geballten Fäusten

Die Faustballabteilung gehört zu den allerersten Gruppierungen des TV Ebern, der in diesem Jahr 150 Jahre alt wird. Heute bereitet der Nachwuchsmangel in der Traditionssportart jedoch Sorgen.

Faustball gehört zu den ältesten Sportarten der Welt. Ihren Ursprung hatte die Sportart wohl in Italien, wo man schon um 300 vor Christus von einem Spiel mit einer Kugel aus Leder sprach. Aus dem Jahr 240 nach Christus gibt es schriftliche Aufzeichnungen.

TV Ebern Faustballer - Kreismeister 1934

TV Ebern Faustballer – Kreismeister 1934

Dieser uralte Sport, den schon die Griechen und Römer ausübten, konnte schließlich Anfang des 20. Jahrhunderts auch in Ebern Fuß fassen. Schon 1922 wurde die Faustballabteilung von Georg Gröhling, Anton Kestler, Hans Scherer, Josef Dengler und Hans Brückner gegründet. In den Jahren 1932, 1933 und 1934 nahm die Mannschaft des TV Ebern an Meisterschaftsspielen teil und holte sich 1934 schließlich die Kreismeisterschaft.

Nach 1934 nahm der Spielbetrieb leider ab und man trug nur noch diverse Freundschaftsspiele aus. Auch der Ausbruch des Zweiten Weltkrieges sorgte dafür, dass der Spielbetrieb nahezu eingestellt wurde. Im September 1962 feierte die Faustballabteilung ihr Comeback. Ehemalige Fußballer und Turner schlossen sich zusammen, um den Spielbetrieb wieder aufzunehmen.

Im darauf folgenden Jahr wurde die Faustballabteilung dann offiziell ein Bestandteil des TV Ebern. Die Eberner Mannschaft spielte in der Gruppe „Bamberg Alte Herren“. Als Abteilungsleiter fungierte zu dieser Zeit Dr. Olbrich und als Spielleiter Rudi Eichler.

Ehrungen beim TV Ebern Faustball

Ehrungen beim TV Ebern Faustball

Die Eberner Faustballmannschaft war schnell sehr erfolgreich. Beim Zollsportverein der Oberfinanzdirektion Frankfurt am Main siegte das TV-Team im Jahr 1964. Im darauf folgenden Jahr belegten die Eberner den zweiten Platz und in den Jahren 1966 und 1967 wurden sie je Dritter.

In den Jahren von 1964 bis 1968 wurde die Eberner Mannschaft Kreismeister in der Faustball-Männer-Klasse III Oberfranken-Süd. Im Jahr 1967 gingen die Faustballer als Turniersieger beim Hallenfaustballturnier in Ebern und in Frickenhausen am Main hervor. Ab Beginn der 80er-Jahre spielten die Eberner in der Kreisklasse B Oberfranken-West, wo die Mannschaft den zweiten Platz erreichte und so in die Kreisklasse A aufstieg. Auch das Jahr 1986 war für die Eberner Faustballer ein Erfolgsjahr. Die TV-Mannschaft wurde Turniersieger in Rodach, Schmölz und in Ebern.

Im Jahr 1990 nahmen die Faustballer wieder am traditionellen Turnier des TSV Rodach um den Thermalpokal teil. Ebenso führte 1990 der Ausflug der „Faustballfamilie“ nach Überlingen am Bodensee.

Training beim TV Ebern Faustball

Training beim TV Ebern Faustball

Die Faustballer können im geselligen Bereich ohnehin als „Familie“ bezeichnet werden. Wanderungen, Faschingsveranstaltungen und auch Ausflüge nach Worms, Heidelberg und Berlin standen auf dem Programm. Im Jahr 1982 fuhren sie sogar zur fünften Faustball-Weltmeisterschaft nach Hannover, was für viele eine unvergessene Erinnerung bleiben mag.

Auch heute noch unternimmt die Abteilung sehr viele Freizeitaktivitäten. Jedes Jahr finden das Sommerfest der Abteilung und eine Weihnachtsfeier statt. Zudem geht es auch ab und zu einmal zum Wandern oder es gibt eine Fahrt in die Berge. Meist treffen sich die Spieler auch noch abends nach dem Training, um in einer geselligen Runde den Abend ausklingen zu lassen.

Leider können die Faustballer derzeit jedoch keine Mannschaft stellen und nicht an Spielen teilnehmen. „Wir sind zurzeit leider nur acht Mann“, bedauert Siegfried Bätz, der Abteilungsleiter. „Wir treffen uns zum Trainieren und um die Abteilung aufrechtzuerhalten“, sagt er. Es kämen einfach keine Jüngeren in der Abteilung nach, wohingegen auch viele der Älteren schon ausscheiden mussten, ob aus gesundheitlichen Gründen oder wegen eines Umzuges.

Das Problem des Nachwuchsmangels liegt nach Siegfried Bätz Meinung nach daran, dass Faustball eine ziemlich unbekannte Sportart ist, und das obwohl sie schon so lange existiert. In Schweinfurt wurde sogar schon die Faustball-Europameisterschaft ausgetragen, in Coburg die Weltmeisterschaft. Und trotzdem bekäme man kaum etwas von der Sportart mit. „Diese Sportart ist in unserer Gegend nicht so populär wie andere Sportarten“, weiß der Abteilungsleiter. Früher waren viele Polizisten oder auch Bundeswehrler in der Faustballmannschaft. Letztere fallen nun seit einigen Jahren weg, was man deutlich merke.

Alle sind willkommen

„Wir wollen den Trainingsbetrieb auf jeden Fall aufrechterhalten“, ist sich Siegfried Bätz sicher. Er wünscht sich von ganzem Herzen, dass wieder mehr Leute zu dieser fast vergessenen Sportart finden und sich dafür interessieren. „Bei uns ist jeder willkommen. Egal ob Frauen oder Männer, ob jung oder schon älter“, freut sich der Abteilungsleiter. „Man kann auch jederzeit zum Schnuppern vorbeikommen und auch Vorkenntnisse sind nicht notwendig“, erklärt Siegfried Bätz. Auch wenn sich mehrere Jugendliche oder Anfänger melden würden, könnten diese separat trainiert werden, wobei sie die Sportart grundlegend lernen.

Ein wichtiger Faktor, warum der Faustball in Ebern quasi vom Aussterben bedroht ist, ist laut dem Abteilungsleiter auch, dass Faustball keine Schulsportart mehr ist. Würde Faustball im Schulsport angeboten werden, hätten die Jüngeren wohl eine ganz andere Beziehung zu der Sportart, würden sich vielleicht sogar mehr dafür interessieren und beschließen, diese Sportart auszuüben.

Beim Training einfach mal reinschnuppern

Wer Lust aufs Faustballspielen bekommen hat, kann gerne beim Training vorbeikommen. Die Trainingszeiten sind immer montags von 17 bis 19 Uhr in der Dreifachturnhalle in Ebern (außer in den Schulferien). Ebenso kann man die Trainingszeiten dem „Eberner Türmer“ entnehmen. Nähre Informationen gibt es zudem auf der Internetseite www.faustball.tv-ebern.org. Für Rückfragen steht der Abteilungsleiter Siegfried Bätz unter der Telefonnummer 09535/343 gerne zur Verfügung.

Regeln aus dem 16. Jahrhundert

Ebern – Was ist Faustball? Nachdem diesen alten Sport vermutlich schon die alten Griechen und Römer betrieben, wurden im Jahre 1555 eine erste Beschreibung und die ersten Regeln niedergeschrieben. Im 18. Jahrhundert schien die Sportart nahezu ausgestorben, bis Faustball am Deutschen Turnfest im Jahr 1885 wieder in der Öffentlichkeit gezeigt wurde. Zu den Regeln: Faustball kann sowohl im Freien als auch in der Halle gespielt werden. Das Spielfeld wird durch eine Mittellinie getrennt, über der in bis zu zwei Metern Höhe ein Band gespannt wird. Eine Mannschaft besteht aus fünf Feldspielern und Auswechselspielern.

Gespielt wird nach Sätzen bis 20 Punkte. Ein Spiel ist dann gewonnen, wenn eine Mannschaft zwei Sätze für sich entschieden hat. Manchmal wird auch nach Zeit gespielt. Der Ball darf von jeder Mannschaft nur dreimal gespielt werden. Beim Überschlag über das Band muss der Ball das gegnerische Spielfeld oder einen Gegenspieler berühren.

Abdruck mit freundlicher Genehmigung
Zeitungsbericht vom 25.05.2013 der Neuen Presse; Artikel von Janina Reuter

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